Heizungsgebläse ausgebaut

Armaturenbrett ausbauen und Gebläsekasten tauschen

Durch einen Kabelbrand beim Vorbesitzer meines Busses waren sämtliche Heizungszüge durch verschmolzene Zugummantlungendefekt und außerdem einige der Heizungsrohre in Mitleidenschaft gezogen. Die Heizung brachte dauerhaft volle Heizleistung und ließ sich über die Züge nicht mehr regulieren, gerade im Sommer ist das nicht allzu angenehm.

Also habe ich mich entschlossen, die Heizung zu ersetzen und im Zuge dessen gleich das vom Löschen des Kabelbrandes übrige Löschpulver zu entfernen.

defektes altes Armaturenbrett

defektes altes Armaturenbrett

Einen Heizungskasten mit Wärmetauscher und Gebläse hatte ich gegen einige andere Ersatzteile getauscht, Unterschied ist jedoch, dass der neue Heizungskasten über 3 Züge verfügt, während der ursprünglich verbaute 4 Züge hatte.

Ab dem Baujahr 1987 hat es hier eine Veränderung gegeben, frühere Heizungen versorgen die großen Mitteldüsen rechts und links im Armaturenbrett nur mit kalter Luft, während bei späteren Heizungen hier auch warme Luft austritt.

Der Ausbau selbst:

Ich habe den gesamten Ausbau in Bildern dokumentiert, mehr, als in diesem Artikel zu finden sein werden, nur um sicherzugehen, dass ich für alle Teile noch weiß, wo sie ihren Platz hatten und wie sie dort verbaut waren.

  • Begonnen habe ich mit den Instrumenten, der Deckel ist auf der Vorderseite durch „Nasen“ eingehangen und hinter zur Scheibe hin mit 2 Klemmen aufgesteckt. Je nachdem, wie oft man hier schon Hand angelegt hat, sind diese Klemmen relativ stramm, 2 Griffmulden wiesen hier aber den richtigen Weg. Nach oben abziehen und dann vorne vorsichtig aushängen…
Cockpit

Cockpit

  • Als nächstes habe ich die Schalter aus der Armaturentafel entfernt, wenn man alle Schalter auf den Kabeln lässt und sie nur aus dem Gehäuse ausklipst, hat man später keine Probleme beim Zuordnen der Kabel.
  • Die Instrumenteneinheit selbst ist auf dem Armaturenbrett verschraubt, außerdem hängt ein breiter Stecker am rechten Teil des Kombiinstrumentes und am Tacho ist die Tachowelle befestigt, in meinem Fall gesteckt, allerdings gibt es hier auch geschraubte Versionen, je nach Baujahr. Nachdem man die Schutzfolie abgenommen hat, kommt der Bremsflüssigkeitsbehälter zum Vorschein. Beim Ausbau der Tachowelle ist Vorsicht geboten, meine war vorher schon etwas mitgenommen, was sich durch eine zitternde Tachonadel bemerkbar gemacht hat und beim Einbau ist die Welle dann abgebrochen. Der Einbau der neuen Welle ist an anderer Stelle beschrieben.
Cockpit demontiert

Cockpit demontiert

  • Der Ausbau von Heizunsgreglern und Blenden: Die Drehschalter für die Gebläseeinstellungen sind nur gesteckt und lassen sich relativ leicht abziehen, ebenso die Deckelchen, einfach vorsichtig mit einem Schraubendreher, oder einem Messer abhebeln. Der verbleibende Regler lässt sich dann ebenfalls aus dem Armaturenbrett herauslösen. Bei meinem Fahrzeug gibt es davon 2, weil ich hinten noch eine Zusatzheizung habe. Diesen Regler mitsamt seinen Kabeln einfach „nach innen“ fallen lassen, der andere Regler ist mit dem Heizungskasten verbaut und wird mit dieser später entfernt.
Blenden demontieren

Blenden demontieren

  • Die Schiebehebel besitzen vorne eine Gummihülse mit einem Gummiknopf, darunter verbirgt sich ein Metallstreifen. Die Gummiteile lassen sich mit einer Spitzzange und etwas Kraftaufwand nach vorn abziehen und das schafft Raum zum entfernen der Blende. Diese ist jeweils oben links und unten rechts in das Armaturenbrett eingesteckt. Auch hier kann man mit einem Messer o.ä. vorsichtig heraushebeln, allerdings sollte man darauf achten, dass auf der Rückseite eine Leuchte versteckt ist, also nicht zu stark ziehen. Die Beleuchtung lässt sich leicht aus ihrer Hülle ziehen und ebenfalls nach innen legen. Der Träger der Schieberegler ist mit 2 Schrauben am Armaturenbrett befestigt und lässt sich relativ einfach lösen. Da dort die Züge noch eingehangen sind, ein wenig darauf achten, sie beim Ablegen der Trägerplatte nicht zu knicken, falls man sie beim Einbau wieder verwenden will.
  • Radio und Aschenbecher ausbauen wird hier nicht weiter beschrieben, das sollte auf der Hand liegen.
  • Lenksäule vom Armaturenbrett lösen: Zunächst die Schrauben der Kunststoffverkleidung an der Lenksäule lösen und die Verkleidung vorsichtig abtiehen, dann sieht man, dass die Lenksäule mit insgesamt 4 Schrauben befestigt ist.
Lenksäule demontiert

Lenksäule demontiert

  • In allen anderen Anleitungen, die ich mir im Vorfeld angesehen habe, war davon die Rede, dass man das Lenkrad abbauen muss, um das Armaturenbrett zu entfernen, ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass das nicht nötig ist. Die unteren beiden Schrauben lassen sich relativ leicht lösen, bei den oberen handelt es sich um sogenannte „Abrissschrauben“, die solange angezogen werden, bis die Köpfe abreißen. Übrig bleicht eine Art Kugelkopf, der je nach Zustand mit einer Rohrzange gedreht werden kann. Bei mir ging das allerdings nicht und mir blieb nichts anderes übrig, als Schlitze in die Schrauben zu fräsen und sie dann mit einem Schraubendreher heraus zu drehen. Hier ist ein wenig Rumprobieren angesagt. Also wichtig: Man braucht hier neue Schrauben. Danach lässt sich die Lenksäule auf den Sitz absenken und dank des noch vorhandenen Lenkrades fällt sie auch nicht auseinander. Hier sollte man allerdings ein wenig Acht geben, damit beim Zusammenbau wieder alles fest zusammen sitzt, ansonsten ist das lebensgefährlich!
  • Als nächstes habe ich alle Luftaustritte entfernt, bzw. einfach die Schläuche davon abgezogen, so noch vorhanden, oder nicht defekt.
  • Das Armaturenbrett ist vorne am Scheibenrahmen und in der Nähe der Türen verschraubt, sind diese Schrauben entfernt, lässt das das Armaturenbrett mit ein wenig Gefühl herausbewegen.
Heizungsgebläse freigelegt

Heizungsgebläse freigelegt

Es ist sofort zu sehen, wo das Löschpulver überall hingekommen ist und warum das dringend weg muss, wenn man in diesem Auto übernachten möchte.

Man kann nun feststellen, wie die Heizung funktioniert, sie ist auf der rechten Seite an den Kühlwasserkreislauf des Fahrzeuges angeschlossen, der Gebläsemotor sitzt mittig im Gehäuse. Je nach Ausführung der Heizung sind 3 oder 4 Züge verbaut, die den Luftstrom, bzw. das Heizungsventil steuern, welches die Wärmemenge (Wasserdurchfluss, daher hilft heizen auch bedingt bei zu heißem Motor) reguliert. Ältere Baujahre haben das unmittelbar am Anschluss der Wasserschläuche rechts, bei den neueren sitzt es an der Fahrzeugunterseite über dem Reserverad, leicht zu erkennen, da einer der Züge dann in der Nähe des Schalthebels ins Bodenblech geht.

  • Der Kasten selbst ist mit 4 Schrauben an der Karosserie verschraubt, je nach Modell könne sich auch hier wieder Unterschiede ergeben, dann gibt es nämlich noch 2 zusätzliche Schrauben, die von außen nach innen durch die Karosserie verschraubt sind, um sie zu erreichen ist der Ausbau des oberen Grills erforderlich (obere Verschlüsse am Grill um 90 Grad drehen und Grill behutsam herausheben, damit man die unteren Haltenasen nicht abbricht.)
  • Vorne steckt noch eine Plastikblende, die lediglich aufgeschoben ist und gegen die Fahrtrichtung abgezogen werden kann. Manchmal ist diese auch geklebt, also aufpassen, um sie nicht zu zerbrechen.

Auch hier gilt: verschiedene Variationen, je nach Modell. Bei mir ist wie gesagt eine Zusatzheizung im Fahrgastfußraum verbaut, daher leitet die obige Blende die vorne aus dem Heizungskasten austretende Luft in den Fußraum von Fahrer und Beifahrer. Anhannd der Führung der Luftkanäle kann man sehr schön sehen, ob sie richtig sitzt. Andere Modelle haben hier eine Luftführung verbaut, die die Luft entlang des Mitteltunnels bis zur Kante an den Sitzkonsolen leitet. Dies und die Fahrgastheizung schließen sich jedoch gegenseitig aus, wichtig wenn man „fremde“ Teile verbaut!

Um die Heizung nun tatsächlich auszubauen, sollte man also die Blende entfernen, alle beschriebenen Schrauben lösen und die Wasserschläuche entfernen. Sich zu merken welcher Schlauch vorne, bzw. hinten steckte ist überaus hilfreich. Die Schläuche selbst sollte man irgendwie befestigen, damit nicht zuviel Kühlwasser herausläuft.

Nun kann man die Heizung mitsamt den Zügen und dem Trägerblech herausnehmen, Vorsicht: auch hier ist noch Kühlwasser drin!

Vorher:

Heizungsgebläse ausgebaut

Heizungsgebläse ausgebaut

Nachher:

Heizungsgebläse ausgebaut

Heizungsgebläse ausgebaut

 

Der Einbau vollzieht sich umgekehrt, am kniffligsten ist hierbei das Aufsetzen und Anschließen der Armaturen, die Tachowelle ist äusserst sensibel, wenn sie nicht richtig sitzt, bricht sie entweder ab, oder macht Geräusche.

Der gesamte Aus- und Einbau mit allem drum und dran hat mich ca ein Wochenende gekostet, beim nächsten Mal geht es aber sicherlich schneller. Ein paar helfende Hände sind überaus nützlich.

Vor dem Einbau einer „neuen“ Heizung sollte man auf jeden Fall das Motorlager des Gebläses prüfen, am Heizungskasten selbst gibt es nur die Kabel mit der Gebläsesteuerung (gelb), sowie Plus und Minus, zusammen mit einer 12V Quelle und dem aufgesteckten Regelschalter ist so ein Test also auch schnell ausserhalb des Busses gemacht.

Macht der Motor Geräusche und man will den Motor ebenfalls ersetzen, wird es etwas kniffliger, die Heizungsgehäuse sind in der Regel verklebt und man muss die Laschen vorsichtig öffnen, um nichts abzubrechen. Um das Ganze wieder zu verschließen, gibt es bei VW passende Klammern.

Gebläsemotor vorne

Gebläsemotor vorne

Noch ein paar hilfreiche Tipps zum Schluss:

  • Züge niemals zu eng biegen, um sie nicht zu beschädigen.
  • Falls das Ventil nicht komplett schließt, oder Regler ansonsten nicht das tun, was sie sollen, Überstand der Züge checken.
  • Ältere Züge mit Fluidfilm, oder WD40 gängig machen.
  • Beim Zusammenbau auf die Position der Lenksäule achten, da Schraubenaufnahmen teilweise länglich sind und minimal Verschiebungen der Lenksäule bewirken können, merkt man beispielsweise am nicht mehr ordentlich funktionierenden Blinkerrücksteller, oder wenn die Verkleidung etwas unter Spannung sitzt.
  • etwas WD40 hilft hier auch beim alterstypischen Schabgeräusch beim Lenken.

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